Junge Pferde… und ihr Weg zum Reitpferd

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Pampi als junge Remote

Die Ausbildung eines jungen Pferdes ist eine grosse Verantwortung, denn schon die ersten Schritte sind entscheidend für die gesamte Entwicklung und Gesunderhaltung!

Begibt man sich an die Ausbildung eines jungen Pferdes kommen Fragen über Fragen: Wieviel Zeit sollte man sich lassen? Wie fängt man an? Longieren oder nicht? Mit Gebiss oder ohne, ausgebunden oder nur mit Kappzaum? Wie baut man das Anreiten auf? Wie häufig und mit welcher zeitlichen Dauer sollte ein Training aufgebaut sein? Was sollte das Ziel des jeweiligen Trainings sein? Welche Übungen und Lektionen sollte das junge Pferd zu welcher Zeit lernen? Wie lang/kurz sollte der Zügel sein? Wieviel Anlehnung ist wichtig und notwendig? Was ist mit Zügel aus der Hand kauen lassen? Wann beginnt man mitAufrichtung? Ab wann sollte man über das Thema Versammlung nachdenken?

Fragen über Fragen! Befragt man dazu dann das Internet, erhält man tausende von Aussagen, Meinungen, Auffassungen und Behauptungen. Nicht selten ist man schon bei der Vorstellung der möglichen zu machenden Fehler so unsicher, dass man die ganze Angelegenheit am liebsten an einen Könner abgehen würde. Wahre Könner gibt es heute aber leider nur noch wenige, dafür tausende Scharlatane und Nichts-Könner, die sich aber nicht selten bestens vermarkten.

Fast jeder Jungpferde-Reiter /-Besitzer steht irgendwann vor allen diesen Fragen und hofft, dass er den den richtigen Weg einschlägt. Ich selbst habe mir in den Jahren des Anreitens und Ausbildens der jungen Pferde immer wieder diese Fragen gestellt und festgestellt, dass es kein Rezept gibt, das bei allen Pferden gleich funktioniert, da jedes Pferd auf seine Weise einzigartig ist und man bei jedem individuell vorgehen muss.

Eines gilt jedoch für alle Pferde gleichermassen: Es muss dosiert und abwechslungsreich sein und in den allermeisten Fällen ist weniger Training/Reiten in der ersten Zeit mehr… Es ist besser, den jungen Pferden ein Jahr mehr Zeit zu lassen als zu früh zu beginnen.
Die unaufgeregte und überlegte Vorbereitung auf das Reitpferdeleben ist genauso unverzichtbar, wie das notwenige Vertrauen, damit sich die Remote auf uns einlassen kann.
Reiterliche Ziele kann und sollte man sich nicht setzen, denn bei jungen Pferden funktioniert das, was heute gut geklappt hat, vielleicht morgen schon nicht mehr so gut oder gar nicht. Das kann viele Gründe haben: Muskelschmerzen, Überforderung von Kopf und Körper, Wachstums- und Zahnprobleme, Charakter und Gebäude, um nur einiges zu nennen….

Konsequentes Verhalten und Grosszügigkeit sind vermutlich die besten Ratgeber, die einen bei der Ausbildung des jungen Pferdes begleiten sollten. Konsequenter jedoch liebevoller Umgang, der dem jungen Pferd die Möglichkeit gibt, sich auf uns zu verlassen, da es weiss, dass wir es beschützen und ihm Gutes tun.
Grosszügigkeit, da Fehler und Nicht-Gelingen genauso dazu gehören wie kleinere übermütige Flausen. Wenn man auch mal eine fünf Geradesein lassen kann, aber konsequent und fair bleibt, wissen die Pferde schnell, wo ihre Grenzen sind und fühlen sich wohl und sicher. Schon damit haben wir ein vertrauendes und neugierig auf Neues zugehendes junges Pferd geschaffen. Das wiederum gibt die Chance, in kleinen Schritten und mit Ruhe und Geduld immer ein klein wenig mehr zu fordern. So wird aus einem jungen und vielleicht ungestümen Wildfang ein vertrauendes und zuverlässiges Reitpferd.

Junge Pferde stehen noch nicht mit dem Hinterbein unter dem Hüftlot. Das können sich nicht.Wichtig ist nur zu Stehen und zu warten. Alles weitere kommt mit der Zeit von alleine

Wir haben in den letzten Jahren die Medien intensiv verfolgt und mit teils grossem Entsetzen registriert, was heute alles als pferdegerecht und richtig verkauft wird und es wundert uns heute nicht mehr, dass schon bei vielen jungen Pferden irreparable Schädigungen vorliegen. Diese liegen im Allgemeinen nicht an der Zucht, sondern an massiven Ausbildungsfehlern.

Die einen reiten ohne Rücken, aufgerichtet nur von Hand mit ganz jungen Pferden schon irgendwelche schiefen und krummen Übungen, die dann grossartig als Lektionen vermarktet werden.
Die nächsten verteufeln die überlieferten Grundsätze der Ausbildung, die als FN-Reiterei verschrieen werden.
Die nächsten juckeln im Schneckentempo mit durchhängenden Zügeln durch die Bahn und sprechen dann bei den meist Rückenlahmen Pferden von setzender Arbeit und die wieder nächste Fraktion verzichtet auf Gebiss, Zügel, Sattel und redet von Losgelassenheit, wenn die Pferde verspannt mit nach vorne gestricktem Kopf durch die Bahn rennen.
Schön ist das alles nicht und richtig ist es noch viel weniger.
Die wenigen, die es noch wissen, haben meist keine Lust mehr, sich mit dem Wahnsinn im Pferdesport und mit den teils dümmlichen Angriffen auseinanderzusetzen und behalten ihr Wissen für sich. So wird es für den, der es richtig machen will immer schwerer, sich in dem Wust an Ideen und Auffassungen noch zurecht zu finden.

Galoppieren im leichten Sitz bei ausreichend vorgelassenem Hals ist wichtig, damit der Rücken locker bleibt!

Eigentlich schon fast begleitend/ergänzend zum Buch „Losgelassen und gesund“ (Müller-Rüschlikon, 2019) haben wir uns entschlossen, über ein Jahr Videos und Blogbeiträge zu den Ausbildungsschritten der jungen Remote zur Verfügung zu stellen.

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