Richtige Fütterung – unverzichtbar!

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Kauen und Verdauen!

Warum man sein Pferd nur mit der richtigen Fütterung wirklich gesund erhalten kann!

Das Pferd hat sich in mehr als 50 Millionen Jahren zu dem entwickelt, was wir heute vorfinden. Im Hinblick auf Rittigkeit, Gebäude und Charakter hat die Zucht in den letzten Jahren viel erreicht und auch einen Wandel in Bezug auf Sensibilität und Bewegungspotential geschaffen. Die Bedürfnisse des einstmaligen Steppenbewohners haben sich allerdings nicht grundsätzlich gewandelt. Noch heute ist ein Pferd darauf ausgelegt, dass 24 Stunden täglich Nahrung in seinem System zum Verdauen vorhanden ist. Darauf ist allerdings nicht nur der Darm des Pferdes angewiesen, sondern das gesamte Hormonsystem ist auf diese Grundlage ausgerichtet. Der Pferdekörper hat ein sehr ausgeklügeltes System geschaffen, das alle Abläufe regelt. So greift ein Rad in das andere.

Ein Pferd sollte also auch heute die Möglichkeit haben, so viel Zeit mit fressen, laufen und dösen zu verbringen, wie es von seiner Ausrichtung her sollte. Ein Pferd verbringt von Natur aus 60 % des Tages mit Fressen und bewegt sich frei ca. 14 Stunden täglich. Dabei spielt, wandert und grast es. In einem geschützten Raum wird es die wenigste Zeit des Tages verbringen. Es sei denn, die Witterungsbedingungen sind so extrem, dass es im Sommer vor Hitze und Stechmücken Schutz sucht und sich im Winter bei extremer Kälte, Sturm und Regen zwischendurch einmal unterstellen möchte. Wenn es die Möglichkeit hat, dann steht es selbst bei in unseren Augen mehr als scheußlichen Wetter draußen und stellt sich in eine für sich selbst angenehm erscheinenden Position gegen den Wind. Mehr nicht!

Pferde, die es gewohnt sind, in der Box zu stehen oder stehen zu müssen, lernen sich mit diesem Schicksal abzufinden. Bei einer dann folgenden artgerechteren Haltung dauert es manchmal länger, bis das Pferd erkennt, dass es auf einmal nach Belieben fressen und sich bewegen kann. Auf jedoch genau diese Haltung und Fütterung ist das Pferd angewiesen, wenn es gesund bleiben soll. Es sind seine evolutionär begründeten Bedürfnisse. Diese können heute vielfach nicht mehr erfüllt werden.

 

Meist wird dann bei Pferden, die sich weniger auf die Weide bewegen und nicht nach Belieben fressen dürfen, dreimal täglich gefüttert, sodass das Pferd oftmals über längere Zeiträume mit einem „untätigen Magen-Darmtrakt“ zurechtkommen muss. Ein untätiger Magen-Darmtrakt ist für ein Pferd jedoch eine Katastrophe, da das Pferd nur dann Speichel produziert und die Magenwände auskleidet, wenn es frisst und dadurch Speichel produziert. Größere Fresspausen sind mehr als ungesund. Da der Magen des Pferdes nicht in allen Bereichen mit einer Magenschleimhaut ausgekleidet ist, besteht die Gefahr, dass die Magensäure die Magenwände angreift. Das ist ein Grund, warum heute so viele Pferde unter Magengeschwüren leiden. Das heißt, das Pferd muss kauen und Speichel produzieren, um dieses Risiko zu reduzieren. Es ist also unverzichtbar, dass es zu jeder Tages- und Nachtzeit die Möglichkeit zur Raufutteraufnahme hat.

 

Abläufe im Körper

Je weniger Pellets in einem Müsli vorhanden sind, umso mehr Speichel produziert das Pferd und um so mehr muss es kauen! Ein wichtiger Grundpfeiler für die Gesunderhaltung!

 

Bei der Aufnahme von beispielsweise einem Kilogramm Raufutter produziert das Pferd fast dreimal so viel Speichel wie bei der Aufnahme von einem Kilogramm Kraftfutter. Kraftfutter ist heute vielfach mit einem hohen Kohlehydratwert versehen und leicht verdaulich. Es ist sehr energiereich. Auch findet man viele pelletartig verarbeitete Komponenten im Kraftfutter. Gerade pelletiertes Futter jedoch zerfällt quasi schon auf dem Weg zum Pferdemagen in seine Bestandteile. Kauen muss das Pferd kaum. So hat auch der Magen wenig zu tun. Ein großer Verdauungsaufwand entsteht nicht. Um dieses Risiko der Unterauslastung zu vermeiden, sollte man bei seinem Kraftfutter darauf achten, dass hauptsächlich Getreidesorten darin enthalten sind, die das Pferd zum Kauen animieren. Das ist neben der vermehrten Speicheldauer und der längeren Fresszeit auch für die Zähne gut. Viel Kauen bedeuten weniger Haken, um es einfach zu beschreiben. Das energetisch hoch aufgelöste Kraftfutter kann jedoch je nach Art und Verarbeitung noch ein weiteres Problem mit sich bringen. Das ist der Blutzuckerspiegel. Je energiereicher das Futter, umso mehr geht der Blutzuckerspiegel nach oben. Die Leistungsfähigkeit des Pferdes ist dann zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Der Blutzuckerspiegel fällt dann allerdings genau wie bei uns Menschen ziemlich schnell und ziemlich stark wieder ab. Wer selbst immer wieder damit konfrontiert wird, dass der eigene Zuckerspiegel gerne mal absinkt, der weiß, wie matt und wenig belastbar man sich in diesen Momenten fühlt. Dann muss man essen – und zwar das Richtige, sonst geht es nur schwerlich wieder bergauf. Man braucht Nahrungsmittel, die der Körper über einen längeren Zeitpunkt verdauen muss, und Kohlenhydrate, die sich langsam über einen längeren Zeitraum aufschließen. Der Blutzuckerspiegel wird so auf einem Level gehalten und der Hunger ist auch nicht sofort wieder da. Der klassische Hamburger ist da ein gutes Beispiel: Je nach Größe macht er erstmal richtig satt, aber dann hat man nach kurzer Zeit doch wieder Hunger. Ein Scheibe Vollkornbrot im Vergleich hält da bedeutend länger an und gesünder ist es bekanntlich auch…

Dem Pferd geht es ähnlich. Um diesen Problemen Abhilfe schaffen zu können, sind zwei Dinge wichtig:

  • Ausreichend Raufutter zu jeder Zeit des Tages und ein Kraftfutter, das in der Lage ist, dieses Auf und Ab im Blutzuckerspiegel weitestgehend abzufangen. Dieses erreicht man durch einen differenzierten Aufschluss der verschiedenen Getreidesorten.
  • Je naturbelassener das Getreide ist, umso besser ist es dann. Naturbelassen heißt, das Kraftfutter sollte aus aufgeschlossenem Korn und am besten keinem Pelletanteil bestehen. Die Pferde kauen gerne an den einzelnen Körnern und man hört sie noch an dem letzten Körnchen knacken. Auch ein hoher Melasseanteil im Futter kann dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel vermehrt steigt und fällt, und sollte daher gering sein.

Pferde, denen immer ausreichend Raufutter und das artgerechte Kraftfutter zur Verfügung gestellt wird, haben auch in den meisten Fällen weniger Probleme mit Haken an den Zähnen. Die Zähne werden auf natürliche Weise geraspelt.

 

 

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