Amüsantes ….

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Ein Jahr Luhmühlen

Im Laufe seines Reiterlebens erlebt man die kuriosesten Geschichten und man sollte sie – und damit beginne ich jetzt – konsequent aufschreiben, um sie zum Schmunzeln immer wieder zu lesen.

In einer kleinen Reitanlage hatte eine kräftige kleine Dame mittleren Alters einen Schwarzwälder Kaltblüter mit sehr viel eigenständigem Denken und Handeln eingestallt. Der kleine Dicke, ca. zwei Rippen zu viel, hatte sich ein recht bequemes Leben eingerichtet. Wenn es ihm langweilig war, unternahm er Spaziergänge, wenn ihm das Kutschfahren zu viel wurde, ging er nach Haus, wenn er beim Reiten mit seiner Reiterin nicht einer Meinung war, entschied er eigenständig was zu tun sei und wenn ihm alles auf die Nerven ging, ging er auf die Weide – egal wer dran hing oder wo sein Frauchen auch gerade hinwollte.

Das kann man zu Hause so handhaben. In einem Reitbetrieb kann so etwas mithin zu Irritationen führen. So geschah es eines Tages, dass der kleine Dicke mal wieder grundsätzlich anderer Ansicht als seine Besitzerin war, komplett angezogen von der Fahne ging und damit die andere Pferde auf den einzelnen Wiesen ziemlich in Unordnung brachte und mich auf die Palme ….

Auf meinen sehr höflichen Hinweis, ob es vielleicht eine Idee wäre, sich Unterstützung zu holen, um vielleicht ein für alle Mal die Führungskomeptenzen zu verankern wurde ich im ersten Schritt ungläubig angeschaut und im zweiten Schritt wurde dann ein Spezialist eingekauft, der das Problem lösen sollte.

Dazu wurden mit der Expertin vier Termine vereinbart, da diese nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss kam, dass das Problem damit abschließend gelöst sei.

 

Der erste Termin:

Das Pferd wurde ausgiebig ausgependelt und über ganz spezielle Tast- und Drucktechnik auf eine Wellenlänge mit der Expertin gebracht, um erst einmal eine Zugang zu dem Pferd zu finden.

Das Ergebnis war fatal: Es lag ein Kindheitstrauma vor und das führte in der Konsequenz dazu, dass das Pferd mit wie auch immer gearteten äußeren Einflüssen vollkommen überfordert war und so – um sich selbst zu schützen – eben dieses Vorgehensmodell entwickelt hatte, damit seine Seele keine weiteren Schaden nehmen würde.

Das war für die Besitzerin vollkommen eingängig. Jetzt wusste sie endlich, warum ihr Pferd sie immer über den Haufen rannte, durch keine Fütze ging, bis oben hin vollgestopft werden musste, sich beim Reiten, wenn er keinen Bock mehr hatte hinlegte oder beim Kutschefahren irgendwo im Gelände einfach kehrtmachte und nach Hause raste, egal wer hinten (noch) auf dem Kutschbock saß.

 

Der zweite Termin:
Zur Vorbereitung des Termins hatte die Expertin ein Konzept entwickelt, dass jetzt konsequent umgesetzt werden sollte. Es begann mit Führen und Stehenbleiben, rückwärts schieben und zur Seite drücken. Nach Abschluss des Termins bekam der kleine ziemlich übergewichtige Dicke eine Sonderration Kraftfutter, denn man musste sich auf diese Weise bei ihm bedanken, damit er die anstrengende Lehrstunde seelisch verkraften konnte.

 

Der dritte Termin:

Hierbei wurde das Pferd an einem viel zu großen Kappzaum der über die Augen rutschte und einem Longiergurt – allererdings ohne Ausbinder, Dreieckszügel oder ähnlichem – eine halbe Stunde longiert. In einem ganz ruhigen Tempo. Der kleine Dicke schlich schon fast rückwärts über den Platz und wann immer von sich aus stehenblieb, weil er einfach keinen Bock mehr auf diesen Irrsinn hatte, wurde das von der Expertin ziemlich kompetent kommentiert.

Nach Abschluss der anstrengenden Session bekam der Dicke wieder seinen Zusatzration Kraftfutter.

Hausaufgabe: Dieses Lektionen täglich für zwei Wochen zu wiederholen, um sie zu etablieren.

 

Der vierte Termin:

An diesem Tag war Reiten angesagt. Nachdem die bereits etablierten Lektionen (also: Herumschleichen an der Longe, hin und herschieben) abgeprüft waren, wurde sich mit einem vollkommen unpassenden, viel zu engen und vor sich hin kippenden und wippenden Sattel der Dicke zum Reitplatz gebracht und nachdem das Pferd X-mal hin und hergeschoben war wurde aufgestiegen.
Es ging an die Schrittarbeit. Das Pony latschte unmotiviert schief und krumm über den Platz. Eine Korrektur des schon als ‚gruselig schlecht‘ zu beschreibenden Sitzes des Reiterin fand nicht statt. Sie zerrte am zügel, wollte nach links, nach rechts (ohne Erfolg, denn der Dicke machte sein eigenes Ding).
Dann wurde angetrabt: „Ruhiger, ruhiger“, so die Expertin, denn der Schwarzwälder Kaltblüter sollte sich ja setzen. Nach ca. 30 Minuten planlosem Hin- und Her-Gehumpel war der kleine Dicke so grätzig, dass er auf dem Absatz kehrtmachte, im vollen Tempo mit der Reiterin um die Ecke Richtung Stall schoss, dieselbe in der Kurven natürlich verlor und dann mit angelegten Ohren vor seiner Box stehen blieb und nach dem Stallbesitzer der in einfangen wollte auch noch trat.

Erkenntnis der Expertin: Wir müssen einen Schritt zurückgehen und noch intensiver auf das Kindheitstrauma eingehen……

 

Meine Erkenntnis…. Ein klarer Fall für die Pferdeprofis!

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