Bamboo – Stellung und Biegung verbessern!

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Nach einer kurzen Zwangspause geht es positiv weiter

Foto: Katja Stuppia

Vor etwas mehr als zwei Wochen hatte sich Bamboo ja richtig heftig am Knie weh getan, war stocklahm und wir hatten schon damit gerechnet, dass er in die Klinik muss. Glücklicherweise hat es sich dann als nicht ganz so dramatisch herausgestellt und nach einer Woche Wiese und Pulver war er wieder lahmfrei.

In der letzten Wochen wurden seine Zähne gemacht und danach hatte er vor lauter Stress durch die Veränderungen in seinem Maul erst einmal jedwede Kautätigkeit eingestellt, sich über Stunden so verkrampft, dass er nicht mehr schlucken konnte und ihm der Speichel nur noch aus dem Maul lief. Kurz vor Mitternacht musste der arme geplagte Tierarzt dann nochmals anreisen und ihm eine Spritze zur Entspannung und zur Schmerzlinderung setzen. Durch das Zusammenpressen der Zähne taten ihm Kiefer und Genick so weh, dass er sich noch mehr aufgeregt hat. Da er mit Veränderungen überhaupt nicht umgehen kann und jede Neuerung eine Katastrophe sein kann, hat er erst einmal für fast eine Woche das Fressen eingestellt. Also gab es viel Mash und leider auch einen nicht unerheblichen Gewichtsverlust, denn sein Heu hat er fast gar nicht angerührt. Seit Anfang der Woche schmecken ihm Heu und Müsli wieder besser nund so können wir uns jetzt wieder auf die Gewichtszunahme konzentrieren.
Er bringt einen schon mal an den Rand der ….

Da wieder lahmfrei und auch Appetit habe ich ihn jetzt zwei Tage longiert und gestern das erste mal wieder geritten.

In der Vergangenheit waren zwei Wochen Pause immer ein grosser Rückschritt. Er wurde klemmig, liess sich nicht gut stellen und biegen, hatte oft keine Kraft mehr, die Bewegungsfreude liess immer schnell nach.

Gestern war ich doch positiv überrascht, dass das ganze Genörgel, was dann in der Vergangenheit Standard war – da ihm vieles auch mental schwer gefallen ist – gestern nicht vorgekommen ist und heute konnte ich schon vermehrt auf Stellung und Biegung achten.
Während des Reitens wurde mir dann auch wieder einmal ganz deutlich bewusst, wie wichtig es ist, ganz konsequent auf die korrekte Stellung und Biegung zu achten. Richtiges Umstellen, das punktgenaue Reiten der grossen und der kleinen Acht und das besonders bei einem Pferd wie Bamboo, bei dem eine gute und durchdachte Grundausbildung – wie heute schon fast normal – leider nicht stattgefunden hat.

Korrektes Stellen und Biegen sind die halbe Miete…

Bei Pampi habe ich in den letzten Jahren nie gross drauf achten müssen, da er das eben von Anfang an gelernt hat und er so genau auf meine Gewichtshilfen achtet, dass er fast automatisch alles richtig macht. Selten stellt er sich mal nach Aussen oder weicht aus. Da wird man schnell nachlässig. Hat man dann ein Pferd wie Bamboo, das alle diese Dinge nicht gelernt hat, gestalten sich einfache Dinge schnell schwierig, wenn man sich nicht pausenlos darauf konzentriert…

Bei Pampi habe ich mir damals sehr viel Zeit gelassen, um korrekte Zirkel und Volten zu reiten, habe peinlich darauf geachtet, dass er sich bei Übergängen nicht heraushebt, die ganzen Paraden allein durch kleinste Halbe Paraden und Einatmen in Verbindung mit dem Anspannen der richtigen Muskeln erfolgte, er immer geschlossen stand. Mit der Versammlung und den höheren Lektionen habe ich mich erst befasst, nachdem alles schmeidig und richtig funktionierte und ich für nichts Druck aufbauen musste. So ging alles spielerisch und er war nie in der Situation sich gegen den Reiter stellen zu müssen. Wenn dann einmal etwas nicht funktionierte, habe ich es verschoben und einfach ein paar Wochen später wieder ausprobiert. So lernte er schnell und hatte Spass am vielen Loben und an seiner Bewegung.

Alles das hat Bamboo nicht gelernt – und damit ist er einer von vielen Tausenden – und so muss man noch genauer auf die kleinsten Kleinigkeiten achten. Heute habe ich wieder einmal realisiert, dass sich genau diese erlernte Pingeligkeit auszahlt. Ich habe wieder einmal verstanden, wie wichtig der korrekte Sitz, die Handhaltung, die Halben Paraden, das Ausrichten des eigenen Körpers auf die jeweilige gebogene Linie sind und wie leicht alles ist, wenn man sich nicht verdreht, nicht in der Hüfte einknickt etc..

Alles das habe ich durch meine (wirklich noch die …) alten Ausbilder gelernt. Wie oft habe ich früher gedacht: Mann, jetzt übertreibt er wieder, es sind doch nur ein paar Zentimeter… Erst jetzt durch Bamboo, die viele Geduld, die aufzubringen ist, das konsequente Überdenken und Reflektieren von jedem meiner Schritte und reiterlichen Vorgehensweisen bringen mich dazu zu verstehen, wie unverzichtbar es im Nachhinein betrachtet ist, dass diese grossen Alten mir immer wieder eingetrichtert haben, dass alles genau so millimetergenau ausgeführt werden muss, wie ich es musste. Heute weiss ich, diese Art des Reitens und Reitenlernens ist unverzichtbar, wenn man erreichen will, dass sich ein Pferd richtig entwickeln kann und man irgendwann nur denken muss und das Pferd führt die angedachten Lektionen mit fast unsichtbaren Hilfen aus.

Solche Momente wie heute habe ich diesen wunderbaren grossen Ausbildern und allen voran Herrn Stecken zu verdanken. Etwas pathetisch formuliert rettet diese Pingeligkeit vermutlich auch einem Bamboo das Leben….

Danke an Katja Stuppia für diese wunderschöne Foto….

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