Durchlässigkeit verbessern: Die Acht!

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Die Acht – damit verbessert man die Durchlässigkeit seines Pferdes!

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Beim jungen Pferd verbessert man mit der Acht unter anderem die Rippengeschmeidigkeit und beim weiter gerittenen Pferd die Rippenbiegung. Es ist eine Übung oder auch Lektion, bei der man beim Reiten und Ausbilden eines Pferdes sehr viel erreichen kann! Sie gehört zu den Grundlagen, sollte aber auch bei einem weiter ausgebildeten Pferd immer wieder in die Arbeit eingebunden werden. Sie ist ein Prüfstein für den reellen Ausbildungsstand des Pferdes, für Durchlässigkeit und Losgelassenheit. Denn nur, wenn sich das Pferd loslässt und die Hilfen durchlässt, auf beiden Händen in der Rippenpartie gleich geschmeidig ist, wird die Acht auf beiden Hände gleich gut gelingen!

Manche sehr guten und effizienten Übungen und Lektionen sind im Laufe der Zeit leider verschwunden… Zu ihnen gehört vermutlich auch die Acht. Man sieht es leider wenig, dass diese gute Übung regelmäßig in die Ausbildung des Pferdes eingebunden wird, dabei ist sie mehr als kostbar!

Das Ziel einer korrekten Ausbildung ist es, die Losgelassenheit des Pferdes zu erreichen. Nichts ist leichter als das, wenn man die Acht in die Ausbildung des Pferdes einbindet. In der Lösungsphase die große Acht und in der Arbeitsphase die kleine Acht.

Man kann sie kombinieren und variieren und man macht sich vieles einfach!

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Das Pferd ist auf die gebogene Linie eingestellt. Die Reiterin tritt vermehrt in den inneren Bügel. Das Pferd nimmt das Gebiss an. Die Nase ist an der Senkrechten. Das Genick ist der höchste Punkt. Die innere Hand ist jedoch etwas zu weit eingedreht.

 

Warum die Acht nur noch wenig geritten wird ist nicht nachvollziehbar. Vielleicht scheint sie vielen zu einfach. Ich persönlich kannte sie ebenfalls nicht, hatte nie gelernt, sie zu nutzen. Vor vielen Jahren hat mir Paul Stecken einmal ein Dankschreiben einer Amerikanerin an seinen Bruder Fritz Stecken zum Lesen gegeben. Sie weist darin auf sein Buch „Training the Horse and Rider“ hin und bedankt sich dafür, dass sie durch Fritz Stecken den Wert der Acht verstanden hat. Beim Lesen dieses leider vergriffenen Buches stellte ich mit Begeisterung fest, was man mit dieser Übung – wenn man sie korrekt reitet – so alles erreichen kann!

Sie ist eine der besten Lektionen überhaupt! Man verbessert:

  • die Rippengeschmeidigkeit und im weiteren Verlauf die Rippenbiegung
  • die Lastaufnahme des inneren Hinterbeines
  • Die Schwungentwicklung
  • Stellung und Biegung
  • Den Muskelaufbau
  • Die Reaktionsgeschwindigkeit
  • Das Annehmen des Gebisses
  • Das Herantreten an den äußeren Zügel
  • Das Annehmen der Halben Paraden
  • Losgelassenheit und Durchlässigkeit

 

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Mit Hilfe der Acht lernt das Pferd auch, das Gebiss anzunehmen und an die äußere Hand heranzutreten. Auf diesem Foto ist die Anlehnung nicht korrekt, da das Pferd das Gebiss noch nicht annimmt. Die Reiterin sollte das innere Hinterbein zu einem noch aktiveren Abfußen veranlassen. Das mit Halben Paraden alle zwei bis drei Tritte verbinden.

 

Man kann die Acht in allen Grundgangarten reiten. Man kann sie mit Zügel aus der Hand kauen lassen, mit Tempounterschieden und Übergängen, mit Übertreten lassen, Schulterherein, Travers und Renvers, mit einfachen und fliegenden Wechseln verbinden.

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Bei dieser Acht zeigt es sich deutlich: Stellung und Biegung sind hier nicht korrekt. Das Pferd nimmt das Gebiss nicht an. Die inneren Zügel hängen durch. Die Stute verwirft sich leicht im Genick. Die Nase kommt hinter die Senkrechte. Die Rippenpartie ist nicht ausreichend geschmeidig!

 

So einfach und so schwer!

Es ist nicht so einfach, eine Acht wirklich korrekt zu reiten. Wenn man sich allein schon einmal das Reiten einer Volte in sein Gedächtnis ruft, wird einem schnell schmunzelnd einfallen, dass Volten oftmals schon sonderbare Formen haben. Ein Ei, das Pferd kommt nicht an der Stelle auf dem Hufschlag an, wo man ihn verlassen hat, die beiden Hälften sind ungleich groß oder die Volte ist insgesamt viel zu groß. Die Pferde weichen über die Schulter aus, verwerfen sich im Genick, weichen mit der Hinterhand traversartig nach innen aus oder was auch immer. Fehlermöglichkeiten bietet die gute Volte ausreichend und hierbei handelt es sich „nur“ um die Volte. Bei der Acht wird es dann ungleich schwerer, denn man hat zwei Zirkel oder Volten nebeneinander, die man kreativ gestalten kann. Konzentriert man sich auf sein Pferd und dessen Bewegungsablauf, ist die fehlerfrei gerittene Acht das Kriterium schlechthin, wenn man überprüfen will, wie korrekt das Pferd auf die Hilfen reagiert, wie gut die Rippenbiegung entwickelt ist. Jedes Ausweichen, jedes Verwerfen, jedes in die Hand drücken, Herausheben oder das Gebiss nicht annehmen zeigt sich sofort. Mogeln kann man bei ihr nicht!
Wenn man beim jungen Pferd mit der großen Acht beginnt und in der weiteren Ausbildung auf die kleine Acht übergeht, sollte man sie erst im Schritt mit Zügel aus der Hand kauen lassen reiten. Beim weiter ausgebildeten Pferd kann man dann auch im Schritt schon sehr vielfältige Variationen entwickeln. Durch Übertreten lassen, durch travers- oder renversartiges Reiten. Man kann Wechsel zwischen Mittel- und versammelten Schritt reiten. Bei korrekter Ausführung führt allein das schon immer zur Losgelassenheit des Pferdes.

Es ist wichtig zu wissen, dass das Pferd den kleinsten möglichen Kreis in der Sechs-Meter-Volte beschreiten kann, wenn es auf beiden Händen sehr geschmeidig ist. Mehr Biegung lässt der Körper des Pferdes jedoch nicht zu. Würde man versuchen, einen noch kleineren Kreis zu reiten, müsste das Pferd mit der Hinterhand ausweichen, über die Schulter wegdrängen, sich verwerfen oder auf andere Weise versuchen sich zu entziehen. Jeder Reiter sollte einschätzen (lernen), wie viel Biegung er seinem Pferd abverlangen kann. In der Anfangszeit ist weniger mehr. Wenn man mehr Rippenbiegung vom Pferd verlangt als das Pferd leisten kann, führt das nur zu unnötigen Verspannungen. Das gilt übrigens für alle Lektionen und nicht nur für die Acht.

 

Fehler, Hintergründe und ihre Korrektur

Das Pferd lässt sich bei der Acht nicht korrekt auf die Kreislinie einstellen und drängt vor allem oft auf der linken Hand über die äußere Schulter weg.

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Das Schwarzwälder Kaltblut ist im Hals zu viel abgestellt. Die innere Hand der Reiterin ist zu weit in Richtung Bauch geführt. Das Pferd weicht dadurch über die Schulter aus. Es ist schwierig, so eine engere Wendung korrekt zu reiten.

 

Dieses Problem findet man häufig, wenn das Pferd ist noch nicht im Gleichgewicht ist, ihm die Längsbiegung schwerfällt. Auf der linken Seite ist es aufgrund der natürlichen Schiefe steifer. Es versucht über die Schulter weg zu drängen, um sich der Biegung zu entziehen. Auch versuchen Pferde, wenn sie nicht gerade gerichtet sind, sich gegen die innere Schulter zu drücken und sich dabei nach außen zu stellen. Vielfach liegt es aber auch am Reiter. Er gibt mit der inneren Hand nicht nach. Die innere Hand wirkt rückwärts, die Halben Paraden am äußeren Zügel fehlen und der innere Schenkel liegt zu weit hinten. Der Reiter knickt in der Hüfte ein. Dadurch kann das Pferd das Gebiss nicht annehmen.

Zur Lösung des Problems:
Die kleine Acht zu Beginn im Schritt mit Zügel aus der Hand kauen lassen reiten. Auf der steiferen Seite übertreten lassen. Auf der hohlen Seite (meist rechts) schultervorartig reiten. Den Wechsel von einer Hand auf die anderen in Elipsenform reiten, um das Ausweichen besser abfangen zu können.

 

Das Pferd verwirft sich auf der Kreislinie im Genick

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Das Pferd ist leicht im Genick verworfen. Stellung und Biegung sind noch nicht korrekt. Die Reiterin sollte mit dem inneren Schenkel mehr treiben, mit der äußeren Hand die Stellung im Hals zulassen.

 

Handelt es sich nicht um ein junges Pferd, das noch nicht ausreichend geradegerichtet ist oder liegt ein medizinischer Befund vor, dann liegt der Fehler meist am Reiter.

Die Lösung des Problems:
mit dem äußeren Schenkel das äußere Hinterbein zu einem aktiveren Abfußen und Vortreten veranlassen. Dabei sollte man allerdings darauf achten, dass man nicht zu viel Druck mit dem äußeren Schenkel macht, da das Pferd sonst traversartig nach innen ausweicht. Alle zwei bis drei Tritte oder auch Galoppsprünge eine Halbe Parade geben.
Mit der äußeren Hand die Stellung des Halses zulassen. Ist die äußere Hand zu starr oder wirkt sich rückwärts kann sich das Pferd nicht mehr korrekt auf die gebogene Linie einstellen.
Sollte sich beim Verwerfen die Nase zusätzlich hinter der Senkrechten befinden, kann es am zu kurzen Zügel liegen. Dann muss der Reiter den Hals vorlassen, sprich die Zügel entsprechend länger lassen.

Viele Ausbilder empfehlen, die äußere Hand beim Verwerfen im Genick höher zu nehmen und man sieht dann, dass die äußere Hand manchmal bis zu 20cm höher gehalten wird, als die innere. Das löst das Problem nicht. Die Vorgehensweise bietet nur für den Moment die Möglichkeit, ein Verwerfen kurzfristig zu unterbinden. Je nach Ausmaß des Verwerfens kann man sich damit auch nicht helfen. Man sollte gerade beim Verwerfen nach den Ursachen suchen. Diese können auch medizinischer Natur sein!

 

Weitere mögliche Ursachen:

  • wenn ein Pferd beispielsweise eine osteopathische Läsion im Bereich Atlas/Axis hat, wird es sich im Genick verwerfen, um den Schmerz durch den blockierten Wirbel zu umgehen.
  • Zahnprobleme können ebenfalls zu Verwerfen führen.

  

Das Pferd drückt sich gegen die innere Schulter und macht parallel den Versuch, sich nach außen zu stellen und sich so der korrekten Stellung zu entziehen. Dabei wird es eilig.

Beide Hälften der gerittenen Acht sind nicht gleich groß, geschweige denn gleich rund.

Bei diesem Fehler ist das Pferd nicht gerade gerichtet und in der Rippenpartie noch nicht auf beiden Seiten gleich geschmeidig.

So klappt es:
Zurück gehen zur großen Acht im Schritt. Auf dem Zirkel und bei der großen Acht immer wieder Trab und Galopp Zügel aus der Hand kauen lassen mit häufigen Handwechseln reiten.
Bei der kleinen Acht die Handwechsel im Schritt reiten und das Pferd korrekt auf die gebogene Linie einstellen. Je nach Ausbildungsstand Schultervorartig reiten. Das Pferd mit dem inneren Schenkel an den äußeren Zügel herantreiben. Auf der rechten Hand die linke Hand etwas tiefer stellen, um das Ausweichen des linken Hinterbeines abzufangen. Die rechte Hand etwas höher (nur wenige Zentimeter!) nehmen, jedoch nicht rückwärts wirken. Die Hand auf keinen Fall nach außen über den Kamm führen! Darüber kann man das Drücken gegen die innere Schulter etwas korrigieren. Die Hand jedoch nicht zu hoch nehmen, sonst kommt das Pferd mit der Nase hinter die Senkrechten. Mit Halben Paraden das Tempo regulieren.

 

Auf der linken Hand stolpert das Pferd mit dem inneren Hinterbein immer wieder.

Beim jungen Pferd:
Viele junge Pferde stolpern auf der linken Hand mit dem linken Hinterbein bei dieser Übung. Hat das keinen medizinischen Hintergrund, dann liegt es daran, dass es der Remonte schwerfällt, das innere – vor allem linke – Hinterbein vermehrt zu beugen. Es stupst quasi mit dem inneren Hinterhuf beim Vorschieben auf den Boden und das erscheint wie ein Stolpern. Im Laufe einer korrekten Ausbildung, wenn die Hinterhandgelenke geschmeidiger geworden sind, wird sich dieses Problem von sich aus erledigen. Es ist nicht notwendig, das Pferd dafür zu strafen.

Was kann man tun:
Ein unterstützendes vermehrtes Treiben mit dem inneren Schenkel und/oder ein leichtes Anlegen der Gerte wird das Pferd veranlassen, dass Hinterbein mehr zu heben. Das Tempo sollte dabei nicht eiliger werden.

Das Pferd auf der linken Hand auf der gebogenen Linie immer wieder im Schritt übertreten lassen.

Bei Rückenproblemen:
Auch Pferde mit Rückenproblemen neigen dazu, in Wendungen zu stoplern. Sie sind verspannt, Stellung und Biegung und das Senken der inneren Hüfte fällt ihnen schwer.
Hier sollte der Tierarzt oder Osteotherapeut erst grünes Licht geben, bevor man sich mit engeren Wendungen befassen kann. Bei Rückenproblemen kann konsequentes Zügel aus der Hand kauen lassen auf großen gebogenen Linien, häufige Handwechsel helfen oder auch viel Galoppieren im leichten Sitz helfen, eine grundsätzliche Geschmeidigkeit wieder herzustellen.

 

Wenn man versucht, die Acht zu verbessern und Fehler zu vermeiden, ist sie ein großer Schritt hin zu einem korrekt gerittenen Pferd, das sich loslässt und Hilfen durchlässt!

 

 

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