Rückwärtsrichten … bei manchen Pferden sehr schwierig

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Woher kommen Probleme beim Rückwärtsrichten?

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Die Demonstration zeigt es: Ein so ausgeführtes Rückwärtsrichten führt beim Pferd zu Verspannungen, was der unruhige Schweif zeigt. Die Hand zu hoch, die Absätze hoch gezogen, der Reiter im Oberkörper verdreht, die Nase des Pferdes hinter der Senkrechten.

 

Beim Rückwärtsrichten gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen: Die einen meinen, man müsse sich nach vorne lehnen, also das Pferd entlasten. Andere gehen davon aus, dass der Reiter im Schwerpunkt zu sitzen hat und wieder andere lehnen sich dabei nach hinten. Ähnlich unterschiedlich verhält es sich mit den Gewichts-, Schenkel und Zügelhilfen.

 

Ursachen für Probleme beim Rückwärtsrichten

Wenn Pferde nicht oder auch nicht korrekt Rückwärtsrichten, dann kann das viele Ursachen habe: Bei jungen Pferden beispielsweise, die gerade mit dem Rückwärtsrichten beginnen, sieht man, dass sie noch keine Kraft haben, die Hankengelenke zu beugen. Sie versteifen das Hinterbein und stoßen in die Hand, treten stockend rückwärts, kommen hinter die Senkrechte, ziehen die Kruppe nach oben.

Allein aus diesem Grund sollte man immer nur wenige Tritte Rückwärtsrichten. Im ersten Jahr unter dem Sattel sollte man auf das Rückwärtsrichten allerdings grundsätzlich verzichten. Durch die mangelnde Kraft würde das junge Pferd ausweichen müssen. So würde es sich Fehler angewöhnen, die in der weiteren Ausbildung wiederum schwieriger zu beseitigen sind

Beim Rückwärtsrichten ist also zu unterscheiden: Handelt es sich um ein junges oder unerfahrenes Pferd, dann sollte man den Oberkörper etwas vornehmen, es dem Pferd auch über den Sitz erleichtern. Man ist ja froh, wenn das Pferd überhaupt einige Tritte rückwärts tritt. Auch sollte man sich in diesem Fall eine seitliche Begrenzung suchen, damit das Pferd nicht zur Seite ausweichen kann. Dafür kann man auf der einen Seite die Bande nutzen und auf der anderen Seite eine Stange hinlegen, später dann kann man ein Schiefwerden mit Schulter-vor-Stellung korrigieren.

Jungen Pferden fällt Rückwärtsrichten noch sehr schwer. Einfach, da ihnen die Kraft in der Hinterhand fehlt. Dann geht es beim Rückwärtsrichten nicht um korrekte Hankenbeugung, sondern nur darum, dass sie erst einmal tun! Da reichen 2-3 Tritte vollkommen aus. Danach loben und wieder Vorwärtsreiten. So kommt es gar nicht erst zu weiterführenden Verspannungen.

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Remonte zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres bei den ersten Versuchen rückwärts zu richten. Man sieht deutlich, wie schwer es dem jungen Pferd fällt. Hier wäre es sinnvoll gewesen, dem Pferd die Unterstützung durch die Bande zu geben….

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Das gleiche Pferd zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Es ist schon etwas besser. Eine korrekte Hankenbeugung kann es noch nicht zeigen.

 

Bei einem weiter ausgebildeten Pferd sollte man gerade im Schwerpunkt sitzen, ohne selbst mit dem Oberkörper zu schaukeln oder sich zu weit nach hinten zu lehnen. Da geht es nicht mehr um das Rückwärts an sich, sondern darum, die Hankengelenke mehr zu beugen, eine korrekte diagonale Fußfolge zu erreichen und die Versammlungsfähigkeit zu verbessern.

Zu den am meisten auftretenden Fehlern beim Rückwärtsrichten gehören schief werdende, nicht diagonal tretende, ihre Hufe durch den Boden ziehende Pferde. Pferde, die nicht durchlässig sind und nur mit Widerstand rückwärts gehen. Pferde, die den Rücken weg drücken, gegen die Hand drücken oder sich eng machen im Hals. Pferde, die diese Verhaltensweisen zeigen, lassen sich nicht los, sind nicht ausreichend gymnastiziert, die reiterliche Einwirkung ist fehlerhaft, das Zusammenwirken der Hilfen des Reiters funktioniert noch nicht. Ein grober Fehler wäre es, das Pferd dann mit einer starren und unnachgiebigen Hand rückwärts zu ziehen. So kommt man zu keiner harmonischen Rückwärtsbewegung.

Viele Reiter machen den Fehler, die Unterschenkel viel zu weit zurück zu legen. Dadurch können die  Pferde nicht mehr korrekt rückwärts treten, sondern sie kriechen in sich zusammen, weil sie der zurückgelegte Schenkel stört. Selbst beim Rückwärtsrichten muss das Pferd vor dem Schenkel des Reiters sein und wenn dieser so zurückgenommen wird, wirkt der Schenkel ausschließlich störend und rückwärts im falschen Sinne.

 

Möglichkeiten, Probleme beim Rückwärtsrichten zu lösen

Manche Pferde treten überhaupt nicht rückwärts. Das kann vielerlei Gründe haben. Am besten beobachtet man dann erst einmal die Stellung der Hinterbeine. Stehen diese zu weit nach hinten heraus, kann das Pferd ab einem gewissen Grad kaum mehr Rückwärtstreten. Dann muss man an der Gesamtdurchlässigkeit arbeiten. Das heißt, die ganzen Paraden verbessern und dafür sorgen, dass das Hinterbein dabei schon mehr heranschließt. Auch kann man dieses Problem mit Hilfe der Vorhandwendung üben. Durch die Vorhandwendung kommt die Hinterhand weiter unter den Schwerpunkt. Das kann man nutzen, um daraus ein Rückwärtsrichten einzuleiten. Das Pferd kann nicht mehr nach hinten ausweichen und tritt, herangeschlossen, nach rückwärts.

Ist ein Rückwärtsrichten schwierig, das Pferd unwillig, weil es sich vielleicht unwohl fühlt, im Rücken verspannt ist oder es nie korrekt gelernt hat, sollte man sich mit ein bis zwei Tritten Rückwärts zu Beginn zufrieden geben, sein Pferd ausgiebig loben und dann einfach nach einigen Metern gerade aus reiten noch einmal Halten und ein bis zwei Tritte Rückwärtsrichten. Will man diese Lektionen üben, reichen 5-6 Wiederholungen aus.

Auch kann ein Nicht-Rückwärtstreten wollen oder schief treten einen gesundheitlichen Hintergrund haben. Hat ein Pferd beispielsweise einen Beckenschiefstand oder eine Bewegungseinschränkung im Bereich der Lendenwirbelsäule, dann fällt ihm ein gerades und korrektes Rückwärts schwer.

Manche Pferde eilen bei geringster Zügelhilfe in viel zu schnellen Tritten rückwärts. Das abzustellen ist nicht einfach. Es hilft dann nur, das Pferd nach dem Rückwärtseilen still stehen zu lassen. Einen Tritt vorgehen zu lassen, dann wieder still stehen zu lassen und erst wieder mit dem Rückwärts zu beginnen, wenn es in der Lage und bereit ist, auch auf die ganze Parade korrekt einzugehen. Ein grober Fehler wäre es, in solchen Momenten den Zügel quasi weg zu schmeißen oder sich massiv nach hinten zu lehnen, das würde das Problem nur verschlimmern.

Handelt es sich allerdings um Widersetzlichkeit aufgrund von Ungehorsam, das also Pferd nicht rückwärts will, kann man sich ruhig eine Person zur Unterstützung hinzu-ziehen, die von unten mit Stimme und beispielsweise Anlegen einer Gerte gegen die Brust oder durch leichtes Klopfen auf das Vorderbein ein Rückwärtsrichten unterstützt.

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