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Zum Nachdenken

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So reitet man ein dreijähriges Pferd?!

Als allererstes: Ein dreijähriges Pferd – auch wenn das überall mit Überzeugung vertreten wird – sollte man überhaupt nicht reiten! Für was auch? Es ist noch ein Baby.
Bevor jetzt alle auf die Barrikaden gehen, ist es sinnvoll über diese Aussage einmal in der Tiefe nachzudenken!
Gehen wir einfach einmal 50-60 Jahre zurück. Da wurden dreijährige Pferde überhaupt nicht geritten und das tat man nicht, weil die Pferde vor 50-60 Jahre noch anderes funktioniert haben oder ein anderes Skelett hatten, sondern man tat das nicht , da die jungen Pferde einfach noch zu unfertig waren. Knochen und Gelenke noch in der Entwicklung, die Muskulatur noch unterentwickelt und die Pferde massiv im Wachstum sind. Die logische Überlegung dahinter: Wenn ich später anfange, dann bleibt es länger gesund, da alles schon mehr gefestigt ist. Heute weiß man das alles besser?
Da schreiben Leute über 3,5 jährige Pferde die bei jedem Reiten klemmen. Dann ist es wohl zu viel und der Reiter macht (zu viel) falsch. Warum stellt man ein so junges Pferd dann nicht einfach wieder oder noch ein halbes Jahr länger auf die Weide. Vielleicht ist es nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf zu viel….
Da reden Leute beim vierjährigen Pferd über Außengalopp und andere haben den vier-fünf-jährigen schon anpiaffiert. Ist das alles noch richtig? Wenn sich diese Äußerungen dann wenigstens auf die Bereiche reduzieren würden, in denen die „Profis“ ihr Geld verdienen müssen, da Kunden es fordern oder weil sie einfach irgendwie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Dann kann ich das zwar noch immer nicht akzeptieren, aber noch irgendwie verstehen. Irgendwie muss der Kühlschrank gefüllt werden und die Miete bezahlt….
Man hört das aber vielfach von Menschen, die ihre Pferde nur für sich in der Freizeit reiten. Freizeit heißt für mich auch, wenn jemand irgendwo auf einem ländlichen Turnier herumreitet und sein Glück in einer A- oder L-Dressur versucht.
Warum muss also alles so schnell gehen? Und warum lässt sich kaum einer mehr Zeit?
Das Olympia-Pferd Stephan der Schweizer Reiterin Marianne Fankhauser-Gossweiler, die in den Jahren 64-68 eine der erfolgreichsten Reiterinnen weltweit war, ging seine erste Pirouette mit 13 Jahren… Dafür lief er dann mit 29 Jahren immer noch…..

Für mich ist es kein Zeichen für reiterliches Können, wenn jemand sein Pferd in jungen Jahren zu wie auch immer geartete Lektionen abrichtet. Reiterliches Können zeichnet sich dadurch aus, dass sich Menschen Zeit lassen und ihre Wünsche und Ziele den Möglichkeiten ihres Pferdes anpassen und vor allem auch begreifen, wo die Grenzen ihrer Pferde sind!
Die Qualität eines Reiters macht sich nicht durch den aufwendigen Trab eines Pferdes in der Diagonale bemerkbar oder durch die Zusammengezupfte hoppelnde Piaffe.
Qualität zeiget sich in der Losgelassenheit und Durchlässigkeit, in der Freude an der Bewegung und daran, dass sich Lektionen spielerisch und ohne Widerstand reiten lassen.
Widerstand heißt nämlich nicht, dass das Pferd keine Lust hat, sondern: ES LÄUFT ETWAS FALSCH!

15 Kommentare

  • Carina Antworten

    Schöne Gedankenansätze, auch wenn ich nicht allem zustimme. Ich denke es ist Ansichtssache und hängt, wie beim Menschen auch, ganz individuell vom Pferd ab.

    In der Wiener Hofreitschule werden die Pferde ja auch erst viel später angeritten. Und laufen dann lange.

  • Gabriele Antworten

    Wunderbar geschrieben und uns aus dem Herzen! Habe meinen Bardigiano – Hengst mit 5 Jahren angeritten, alle anderen Pferde mit frühestens vier Jahren. Nach einer mindestens ein Jahr andauernden Bodenarbeit, die dem jungen Pferd alles zeigt, was es später unter dem Sattel verstehen soll. Muskulaturaufbau, Dehnübungen und Spazierengehen, Trailaufgaben an der Hand – Hauptsache Vertrauen,Spaß und Verstehen. Das dauert, so dass wir keinerlei Hektik mit Reiten haben. Ich gebe diese Gelassenheit an meine freizeitreitenden Kunden weiter. Wenn etwas nicht verstanden wird – einen Schritt zurück – und zwar der Mensch, in seinem Anspruch, in seinem Verständnis in seinem Wollen. Die Erfahrung zeigt, dass nicht einer dann noch etwas übers Knie bricht, da es aus der Erklärung klar wird, dass man rückwärts arbeitet. Viele Pferde, die so früh eingeritten werden, sind sehr bald an einem Punkt, an dem sie so überfordert sind, dass Ross und Reiter von vorne anfangen müssen, nämlich bei der Bodenarbeit, die Beiden Verstehen und Verständnis bringt. Kinderarbeit ist weder bei Menschen noch bei Pferden eine gute Sache! Werde diesen Artikel umgehend im FB posten,

    • Anne Schmatelka Antworten

      Vielen Dank! Wir freuen uns sehr über dieses Feedback!

    • Ute Moser Antworten

      Ich stimme Dir voll und ganz zu – auch leider ist es so mit den tollen Quarter Horses, die wohl sanft geritten werden, aber Slights etc. ausführen müssen, dass voll auf die Knochen geht. Ich mag das nicht, und vor allem mag ich meinem noch jungen Pferd solche Sachen beibringen zu müssen. Ich bin da realistisch und versuche zunächst einmal ein tolles Verhältnis zu meinem Pferd aufzubauen, und das geht u. a. über eine gute Bodenarbeit und auch über manche Übungen wo wir beiderseiten Spass miteinander haben – und ich auch lachen kann, wenn er jetzt nicht ganz so das gemacht hat, was ich wollte – aber das liegt dann größtenteils auch an mir. Und das ist der Punkt, wo wir uns gegenseitig entwickeln – langsam, ohne Stress und den Jungspund einfach mal so sein lassen, wie er ist. So ist es doch auch bei unseren Kindern – sie kommen in den Kindergarten, dann in die Vorschule und dann geht es mit Lernen in der Grundschule weiter. Ich bitte alle ambitionierte Reiter, der Weg ist das Ziel, aber er sollte nicht auf dem Rücken des Pferdes ausgetragen werden. Das kann schmerzen, und irgendwann habt ihr immer wieder den Tierarzt vor Ort und das Pferd fühlt sich nicht wohl und hat Schmerzen. Gebt Euch beiden Zeit und vor allem dem Pferd. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden 🙂

      • Anne Schmatelka Antworten

        Hallo Ute,
        genau so ist es! Da hast Du recht. Ich bin oft erschrocken, was jungen Quarter Horses abverlangt wird. LG Anne

  • Silke Juppenlatz Antworten

    Ich habe vor ein paar Monaten ein Hengstfohlen gekauft.
    Als ich der Züchterin sagte dass er vor 5 nicht geritten wird, sah sie mich an wie ein Ufo.
    Ich hab nicht gesagt dass ich nicht mit ihm arbeite — ich hab vom reiten gesprochen.
    Verstand sie nicht. „4 ist okay“

    • Anne Schmatelka Antworten

      ich finde das gut. Ich habe das mit meinem Wallach (der große Braune in den Videos und Artikeln) auch so gemacht und das war mit die beste Entscheidung, da er aufgrund seiner Umsetzung so unausbalanciert und am Wachsen war. Das hätte nur unnötige Probleme mit sich gebracht 🙂

  • Wilma Antworten

    Ich bin auch gegen zu frühes Arbeiten junger Pferde. Vor dem vierten Jahr kann man bissel Gewöhnung machen, mehr nicht. Was ich aber unzutreffend finde ist, Dreijährige als Babys zu bezeichnen. Ein Saugfohlen ist ein Baby. Ein Jährling ist mit einem Kind im Grundschulalter vergleichbar. Ein Dreijähriger ist ein Teenager. Noch nicht erwachsen und voll belastbar, aber keineswegs ein Baby.

    • Anne Schmatelka Antworten

      Das war auch mehr umgangssprachlich gemeint. Ist aber natürlich richtig 🙂

  • Thomas Antworten

    Gute Gedankenansätze. Etwas sehr pauschal und salopp ausgedrückt. Der Artikel wird jene nicht ansprechen, für die er eigentlich gedacht wäre: Jene kleine Gruppe von Trainern, die Pferde zureiten, auf Englisch „to break“, auf Französich „débourrer“. Und diese Ausbildung der ersten Schritte gehört in die Hände eines Profis, sonst wird das bald einmal fragwürdig und gefährlich. Für Mensch und Pferd. Nicht alle Schwierigkeiten, die man auf diesem Weg antrifft, lassen sich mit der Gutfühlmethode lösen. Pferde sind eben Pferde mit Instinktverhalten, keine Kuscheltiere. Es gilt in der Ausbildung eine Balance zu finden, so wenig wie möglich, so viel wie nötig unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten: des Alters, der mentalen Reife, der Rasse, der Auffassungsgabe, des Charakters, der Aufzucht- und Rahmenbedingungen des Betriebs. Ich stimme der These nicht zu, je älter, je besser.

  • Manuela Antworten

    Ich stimme nicht ganz zu. Ich habe die Erfahrung gemacht je älter ein Pferd ist also z.B schon 5 Jahre und es wird das erste mal gearbeitet das sie dann „stärker“ sind und grade mit 5 Jahren auch noch in der Flegelphase. Ich bekenne ich fange mit drei Jahren an zu „Arbeiten“ das heißt 2-3 mal die Woche lernen sie Bodenarbeit, longieren und es wird Eingefahren (zweispännig). Die haben dann fürs Einreiten schon Muskeln und Balance. Allerdings sind meine Freiberger schon „fertiger“ als z.B ein Warmblut vorallem vom Kopf her. Meine Faustregel ist: So Alt wie das Pferd ist so oft darf es von der Koppel geholt werden und „bespaßt“ werden. Allerdings müssen meine keine „Hochleistung“ bringen sie gehen später „Nur“ Springen (A), Dressur (A), Gelände, Kutschturniere, Wanderritte, Reiterrallys, Fohlen usw….

    • Thomas Antworten

      Wem oder was stimmst du nicht zu? Bodenarbeit ist ein wichtiger Teil der Ausbildung (80% der Aufbauarbeit, später 20% im Sattel). Auch mit Fahren kann recht früh begonnen werden. Finde ich gut. Freiberger haben, gemäss Aussage von FM Pferdeleuten, eine ausgeprägte Pubertätsphase, wo sie oft auf stur stellen und angbelich alles vergessen, was bis anhin gelernt wurde. Manche behalten diese Haltung das Leben lang bei. Unter diesem Gesichtspunkt würde ich verstehen, dass man sich nicht früh abmühen will. Steht im Widerspruch zu meinen Erfahrungen. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Wenn man Skifahren erst als Erwachsener lernt, wird man sich das Leben lang damit abmühen. Das gilt ganz allgemein für Trainingskonzepte.

  • Peter Antworten

    Volle Zustimmung

  • Simone Antworten

    Ein wenig pauschal vielleicht und auch nicht in allen Aussagen korrekt…. Schaut man mal nach Trakehnen und die Ausbildung der Remonten, dann sieht man auch Anforderungen, die an die jungen Pferde gestellt wurden, die uns heute erschrocken zurückzucken lassen. Das Thema ist in all seinen Facetten viel zu komplex, als das es in einem einseitigen Blog treffend behandelt werden könnte.

    Dem letzten Absatz des Blogs ist uneingeschränkt zuzustimmen – dies allerdings völlig unabhängig vom Alter! Zu viel, zu schnell, zu schlecht und zu unreell ist nämlich in jedem Alter verkehrt!

    Nur weil einer 5 ist, kann er die falsche Ausbildung nicht besser „ertragen“ als der dreijährige. Sicher, sein Knochengerüst ist weitestgehend fertig, aber Sehnen und Muskulatur sind untrainiert. Falsche Belastung wird hier schaden. Während der spielerisch „gearbeitete“ 3-jährige, der ohne Zwang und Überforderung gesund bleiben wird und mit Freude seinem ganz individuell auf ihn abgestimmten „Beschäftigungsprogramm“ folgt.

    Nicht das Alter ist ausschlaggebend, sondern die Art der Ausbildung! „Kinderarbeit“ ist abzulehnen, aber diese geschieht nicht automatisch wenn ich einen dreijährigen mit dem Sattel vertraut mache, sondern wenn ich unangemessene Forderungen an ihn stelle. Hier greifen nämlich dann die ethischen Grundsätzen, im Besonderen: „Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.“ und “ Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.“

  • Christin Antworten

    Was mir in dem Artikel komplett fehlt, ist das Einbeziehen der psychischen Reife. Ein dreijähriges Pferd ist ebenfalls noch dabei, seinen Charakter zu formen. Es lernt, sich mit Dingen auseinander zu setzen, mit wechselnden Anforderungen umzugehen – und hier gilt das gleiche: Es braucht Zeit! Zeit zum Nachdenken, zum Auseinandersetzen. Zeit, Dinge zu bewerten und Lösungen zu finden. Diese Phase ist für das künftige Miteinander ebenso wichtig wie seine Knochen, Sehnen und Gelenke – denn hier entscheidet sich, ob das Pferd zu einem Partner an unserer Seite wird oder zu einem stupiden Sklaven.

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